Fragen & Antworten..

Wie läuft eine logopädische Therapie ab? An wen wende ich mich zuerst? Was passiert bei einer logopädischen Abklärung?

Ich greife regelmäßig Fragen aus meinem Praxisalltag auf und teile mein Wissen in Fachartikeln und Beiträgen auf LinkedIn, Facebook und Instagram. Vielleicht ist auch für Sie eine interessante Frage dabei.

Ich freue mich, wenn meine Beiträge gelesen, weitergegeben und ins Gespräch gebracht werden.

Wie läuft eine logopädische Behandlung ab?

Je nach Anliegen untersuche ich die Aussprache, den Wortschatz, die Grammatik und wie gut Sie (oder Ihr Kind oder Angehöriger) verstehen und lesen und schreiben können. Dann prüfe ich auch, wie Sie atmen, sprechen und schlucken. Diese Ergebnisse helfen mir, die beste Therapie für Sie auszuwählen. In der Beratung erkläre ich Ihnen, warum Sie bestimmte Probleme haben und wie die Therapie ablaufen wird. Außerdem gebe ich Ihnen Tipps, wie Sie im Alltag besser kommunizieren können. In jeder Therapiesitzung machen wir Übungen, sprechen über Ihren Fortschritt und ich zeige Ihnen, was Sie zu Hause üben können. Ich finde es wichtig, Ihre Familie in den Therapieprozess einzubeziehen.

An wen wende ich mich zuerst?

Wenn Sie (oder Ihr Kind oder Angehöriger) Probleme mit der Sprache, dem Sprechen, dem Schlucken, der Hörfähigkeit oder der Stimme haben, ist es ratsam, sich zunächst an Ihren Hausarzt oder an Fachärzte wie HNO-Spezialisten, Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologen, Internisten oder Phoniater zu wenden. Der Arzt wird dann, basierend auf der Diagnose, eine Überweisung für logopädische Therapie ausstellen.

Was ist das Ziel einer Stimmtherapie?

Durch individuell angepasste Übungen wird die Stimmfunktion wiederhergestellt oder verbessert. Stimmprobleme haben unterschiedliche Ursachen, z.B. wenn die Stimme nicht richtig eingesetzt wird, bei Erkrankung, nach Operationen. Ziel ist eine klare und belastbare Stimme, um Stimmprobleme zu vermeiden. Mit einem speziellen Stimmtraining kann man die normale (physiologische) Stimmfunktion trainieren.

Weshalb empfiehlt mir der Kieferorthopäde eine logopädische Therapie?

Häufig werden kieferorthopädische Maßnahmen durch funktionales Training unterstützt oder sogar vorausgesetzt. Die Zungenposition beeinflusst maßgeblich die Kieferform und die Zahnstellung. Die logopädische Therapie setzt genau hier an, indem sie auf die Zungenfunktion und das Schluckverhalten eingeht.

Was benötige ich zum ersten Termin?

Sie benötigen den Überweisungsschein Ihres Arztes. Wenn Sie noch weitere ärztliche Unterlagen haben, bringen Sie sie bitte mit.

 

Was haben wir in Bezug auf die Sprachentwicklung unseres Kindes falsch gemacht? 

In kaum einem Fall sind Eltern wirklich „Schuld“ – außer ein Kind würde grob vernachlässigt werden. Sprachstörungen haben selten einen Grund allein, sondern meist ein ganzes Bündel an Ursachen – von Hör- und Gedächtnisschwächen oder organischen Faktoren bis zu Problemen in der Wahrnehmung, der Motorik oder der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Jeder Einzelfall kann anders liegen und manchmal bleibt eine Störung tatsächlich ungeklärt.

Warum spricht unser Kind nicht?

Wenn ein Kind nicht oder schlecht spricht, ist es noch lange nicht zurückgeblieben oder dümmer als andere. Das wissen die Eltern selbst, denn sie sehen und beobachten ihr Kind ja und kennen auch seine Stärken. Die Sprache ist allerdings verknüpft mit der Gesamtentwicklung des Kindes und allen seinen Fähigkeiten und wirken wechselseitig zusammen. Deshalb ist es bei allen Untersuchungen und Überprüfungen wichtig, den allgemeinen Entwicklungsstand einzuschätzen.

 

Was passiert in der logopädischen Kindertherapie?

LogopädInnen versuchen immer, mit Kindern möglichst spielerisch zu arbeiten. Mit ganz einfachen Spielen wie Kaufladen und Eisenbahn oder mit speziellem Sprechlernmaterial wird geübt. Die Stunden sind meist abwechslungsreich, sprechen alle Sinne an und fördern die gesamte Entwicklung. Was so einfach aussieht, muss allerdings fundiert, speziell vorbereitet und gezielt auf das Kind zugeschnitten sein. Häufig gibt es Spiele und Übungen als Hausaufgabe.

Wie lange dauert eine Therapie?

Wie lange eine Therapie dauert, lässt sich selten präzise vorhersagen, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie z.B. die Schwere der Störung, die Motivation des Kindes, das Tempo des Fortschritts sowie die Kontakthäufigkeit zur Therapeutin und mögliche Unterstützung im häuslichen Umfeld.

Was hat Einfluss auf die Sprachentwicklung bei Kindern?

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Sprachentwicklung eines Kindes. Dazu gehören normale neuromotorische, sensorische und mentale Strukturen, die bereits bei der Geburt vorhanden sein müssen. Ein gut funktionierendes Gehör ist entscheidend für die Sprachwahrnehmung. Aus diesem Grund wird oft empfohlen, das Gehör des Kindes regelmäßig überprüfen zu lassen.

Wann spricht man von einer Sprachentwicklungsverzögerung?

Eine Sprachentwicklungsverzögerung (SEV) tritt auf, wenn ein Kind im Alter von bis zu 36 Monaten mindestens sechs Monate hinter seinen Altersgenossen in der Sprachentwicklung zurückbleibt, sowohl in Bezug auf den Spracherwerb als auch auf die sprachlichen Fähigkeiten. Dies kann sich in verschiedenen Bereichen wie dem Wortschatz, der Grammatik, der Aussprache oder dem Verständnis zeigen. Ab einem Alter von über 36 Monaten spricht man hingegen von einer Sprachentwicklungsstörung.

Wie gut muss ein Kind mit drei Jahren sprechen können?

Im Alter von drei Jahren sollte ein Kind in der Lage sein, längere Sätze und Geschichten zu verstehen. Obwohl sein Sprachgebrauch möglicherweise noch nicht vollständig grammatikalisch korrekt ist, spricht es bereits in der Ich-Form und verwendet einen Wortschatz von mehr als 500 Wörtern.

Warum haben immer mehr Kinder Sprachstörungen?

Die steigende Prävalenz von Sprachstörungen bei Kindern ist ein Phänomen, das unsere Aufmerksamkeit verdient. Heutzutage werden Sprachstörungen wahrscheinlich häufiger erkannt und beachtet, was teilweise auf die gestiegenen Anforderungen in Schule, Ausbildung und Beruf zurückzuführen ist. Der gesellschaftliche Wandel spielt ebenfalls eine Rolle: Traditionelle Großfamilien gibt es kaum noch, und die Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder sind eingeschränkter geworden. Medien wie Fernsehen und Handys fördern passives Konsumverhalten statt aktiver Kommunikation. Computerspiele erfordern oft nur einen Knopfdruck anstelle von verbaler Interaktion. Selbst im Alltag können viele Aufgaben ohne Worte erledigt werden, vom Einkaufen bis zum Bankbesuch. Doch in der Familie sollte das Sprechen miteinander einen hohen Stellenwert haben. Es liegt in unserer Verantwortung, die Bedeutung der verbalen Kommunikation zu betonen und sie aktiv zu fördern.

Ist es möglich, eine Sprachentwicklungsverzögerung aufzuholen?

Wenn Sie erste Anzeichen einer verzögerten Sprachentwicklung bei Ihrem Kind bemerken, ist es ratsam, sofort Maßnahmen zu ergreifen und Antworten zu finden. Frühzeitige Intervention ist entscheidend, da Ihr Kind bei vorhandenen Problemen auf Unterstützung angewiesen ist. Durch gezielte Förderung in der frühen Kindheit kann es seinen Rückstand leichter aufholen und bessere Entwicklungschancen erhalten.

Was bedeutet Aphasie?

Aphasie (Schlaganfall) bezeichnet eine erworbene Beeinträchtigung der gesprochenen und geschriebenen Sprache, die durch Schädigung der Sprachdominanz, meist in der linken Hirnhälfte, verursacht wird. Diese Beeinträchtigung kann zu verschiedenen Schweregraden von Ausfällen beim Sprechen, der Wortfindung, der Wortproduktion, dem Satzbau sowie dem Verständnis von Sprache führen. Ähnliche Störungen können auch beim Lesen und Schreiben auftreten. Betroffene sind in ihrer kommunikativen Fähigkeit stark eingeschränkt, doch ihre kognitiven Funktionen wie Denken und Geisteskraft bleiben in Abwesenheit zusätzlicher Beeinträchtigungen wie Störungen in Bewegungs- und Handlungsplanung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung erhalten.

Wie kann ich einen Menschen mit Sprachstörung unterstützen?

Unterstützen Sie Menschen mit Sprachstörungen, indem Sie eine klare und einfache Sprache verwenden, Aufmerksamkeit durch Berührung oder Blickkontakt gewinnen, nichtsprachliche Kommunikation wie Gestik und Mimik einsetzen, und den Inhalt über die Form priorisieren. Vermeiden Sie Ablenkungen und seien Sie geduldig, ohne sich zu sehr auf Fehler zu konzentrieren.

Was ist eine Dysphagie?

Eine Dysphagie ist eine Schluckstörung, die durch Hirn- oder Muskelverletzungen oder Krankheiten verursacht werden kann. Dabei kann es vorkommen, dass der Kehlkopf die Luftwege nicht ausreichend verschließt und Nahrung statt in die Speiseröhre in die Luftröhre gelangt, was sich durch häufiges Verschlucken, gurgelnde Geräusche, Husten und Räuspern während oder nach dem Essen bemerkbar machen kann. Andere Anzeichen sind das Steckenbleiben von Speiseresten im Hals und das Verbleiben von Nahrung in der Mundhöhle. Unspezifische Symptome und spätere Komplikationen können Nahrungsverweigerung, Gewichtsabnahme, Atemwegsinfektionen, wiederkehrende Lungenentzündungen, Fieber, Austrocknung und verminderte Wachsamkeit umfassen. Bei Verdacht auf Dysphagie ist eine Beratung dringend empfehlenswert. Als Logopädin bevorzuge ich die Abklärung und Beratung direkt beim Patienten zu Hause. Dort können weitere Maßnahmen erörtert und gegebenenfalls eine logopädische Schlucktherapie eingeleitet werden.

Tipps für sicheres Schlucken

Um sicheres Schlucken zu erleichtern: Sitzposition gerade halten und den Kopf leicht nach unten neigen. Konzentration auf das Essen und Schlucken lenken, ohne dabei zu sprechen. Unter Aufsicht essen und trinken, wenn möglich. Selbst essen lassen, eventuell Hilfe beim Schneiden oder Vorportionieren. Kleine Bissen nehmen, gründlich kauen und den Mund nach jedem Bissen reinigen. Gegebenenfalls Flüssigkeiten verdicken und auf kröselige Speisen verzichten. Nach dem Essen aufrecht sitzen bleiben und den Mund reinigen, um das Risiko von Speiseresten in den Atemwegen zu reduzieren.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Maria Strauß